Interview mit Prof. Neubauer in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung

14.01.2018

Die Vorteile der besseren Leistungen muss man allerdings relativieren. „Die Privaten vermitteln das wohlige Gefühl, eine bessere medizinische Versorgung zu garantieren“, sagt Günter Neubauer, Leiter des privaten, unabhängigen Instituts für Gesundheitsökonomik in München. „Aber meist ist sie nicht besser, sondern nur anders.“ Zum Beispiel im Krankenhaus. „Die ärztlichen Behandlungsleitlinien sind für alle Patienten gleich.“ Privatversicherte würden also nicht besser operiert als gesetzliche. Der Unterschied liegt im Komfort: Ein- oder Zweitbettzimmer, eventuell besseres Essen, Chefarztbehandlung.

Auch die Chefarztbehandlung ist eine zweischneidige Sache. „Oft sind die Oberärzte mit neuen Behandlungsmethoden vertrauter, weil sie häufiger operieren als der Chefarzt, der auch viel mit der Klinikverwaltung zu tun hat“, sagt Neubauer. Zum anderen verweise der Chef auch manchmal aus Zeitgründen auf seinen Oberarzt. Der operiert aber auch gesetzlich Versicherte.

Privatversicherte werden umfangreicher untersucht, weil der Arzt das einzeln abrechnen kann. „Manchmal würden sie aber auch zu viel behandelt und schneller operiert als nötig, weil das für den Doktor lukrativ ist“, sagt Gesundheitsökonom Neubauer.

Geschrieben von Dyrk Scherff

 

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